Aktuelles aus der Mongolei

Liebe Freunde,

der Start ins Jahr 2015 erfolgte mit einer Auszeichnung der Stadt Ulaan Baator. Wir erhielten die Anerkennung, „weil wir die Stadt Ulaan Baator zu einem besseren und sichereren Platz für Kinder machen“. Natürlich haben wir uns gefreut, dass die Behörden mittlerweile auf uns aufmerksam geworden sind. Weit wichtiger aber ist, dass es den Verantwortlichen ein Anliegen ist, die Lebensbedingungen für Kinder zu verbessern und die Stadt sicherer für Kinder zu machen!

In diesem Jahr waren mal wieder unsere Vereins- und auch die Pflegefamilien-Registrierung fällig. Für mich bedeutet das, alle möglichen Unterlagen vorzulegen, um die Verlängerung zu bekommen. Die Hürden lagen dieses Mal nicht so hoch, wie wir das gewohnt waren. Für alle vier Pflegefamilien erhielten wir zum allerersten Mal die Registrierung für zwei Jahre – bisher immer nur für ein Jahr! Nur drei von fünfunddreißig staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen durften diese erfreuliche Erfahrung machen, alle anderen bekamen eine Genehmigung für ein Jahr, oder sogar nur für sechs Monate. Was für eine Freude für uns!!

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und ihr werdet meine Zeugen sein,
bis an die Enden der Erde.

Jesus
Wie klein ist doch die Welt! Zu Weihnachten bekamen unsere Kinder auch Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“. Sie wurden hier von einer örtlichen Gemeinde verteilt. Die Päckchen mit vielen Überraschungen lösten große Freude aus. Die größte Überraschung jedoch war ein „Schuhkarton“. Die Evang. Kirchengemeinde Netphen hatte ihn auf den Weg gebracht.Und Netphen liegt in meiner Heimat, etwa 20 km von Neunkirchen entfernt. Die Kinder – aber auch ich – haben ganz schön gestaunt!
Anfang Februar erhielt ich einen Anruf vom Sozialamt, und wie gewöhnlich brauchte und wollte man eine direkte Zusage, dass wir drei Geschwister – zwei Monate, zwei Jahre und 5 Jahre alt – sofort aufnehmen könnten. Die Umstände waren auch so schlimm, dass die Kleinen auf keinen Fall in der Familie bleiben konnten. Die sehr verängstigen Kinder, total unterernährt, waren offensichtlich geschlagen worden. Die kleine zweimonatige N. hat sicher während ihres kurzen Erdendaseins nicht viel mehr als Wasser zu trinken bekommen. Sie bestand nur noch aus Haut und Knochen. Dass sie überlebt hat, ist ein echtes Wunder. Könnt Ihr euch vorstellen, dass sie noch Brandwunden von ausgedrückten Zigaretten im Gesicht und am Kopf hatte? Drei Kinder gleichzeitig aufzunehmen ist in unseren Familien fast unmöglich. Wir haben sowieso schon sehr viele Kinder. So ist die Kleinste jetzt in Helens Familie und inzwischen ein ganz süßes Baby geworden. Die beiden Geschwister sind in unserem „roten Haus“, das „demnächst“ abgerissen werden soll. Bei den beiden Kleinen hat der Arzt im Zuge des Gesundheitschecks Syphilis festgestellt, die aber zum Glück ziemlich schnell behandelt werden kann, wenn auch mit starken Antibiotika.
Unsere J. – sie ist in meiner Familie – hat ja schon eine Menge „Grundkrankheiten“. Aber in den letzten Monaten kamen noch viele Erkrankungen dazu … und das hat sich auch bis heute nicht geändert. Im Herbst vergangenen Jahres fing es mit Windpocken an. Es folgten Meningitis, Lungenentzündung. Aber damit nicht genug, es wurde auch noch Tuberkulose festgestellt. J. war mit ihrem ohnehin schwachen Körper viele Male dem Tode nah und wir wussten oft nicht, ob sie den nächsten Tag überhaupt erleben würde. Aber – es geht ihr wieder besser!
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Nach zwei Monaten Tuberkulosekrankenhaus wog sie noch sechs!! Kilo. Das Kind ist immerhin acht Jahre alt. Seit Anfang Februar ist sie wieder zu Hause und hat inzwischen wieder acht Kilo erreicht, auch noch nicht besonders viel. Und letztes Wochenende hat sie nach sechs Monaten das erste Mal gelächelt. Das größte Problem ist immer noch die Magensonde. Sie müsste unbedingt eine permanente Sonde gelegt bekommen. Die Ärzte haben aber wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes für diese OP keinen Mut. Sie würde möglicherweise die erforderliche Narkose nicht überleben. Ohne Sonde wird die Ernährung aber immer ein großes Problem bleiben. Sie kann nicht essen! In den erforderlichen Zeitabständen haben wir ihr immer wieder eine Sonde durch die Nase legen lassen, aber die kann ja immer nur eine begrenzte Zeit drinbleiben und dann muss ohne Sonde gefüttert werden. Die paar Pfund, die sie zugenommen hat, nimmt sie dann schnell wieder ab, einfach weil sie nicht genug essen kann.
Seit ungefähr vier Wochen ist T. bei uns. Er ist etwa vier Jahre alt – genau weiß ich das noch nicht. Er wurde furchtbar misshandelt. Zehn Tage, nachdem er die letzten Schläge bekam, konnte man die Spuren noch in seinem Gesicht sehen, nicht nur an den blauen Flecken, sondern an seinem Blick. Er ist ein aufgewecktes Bürschchen und fühlt sich mittlerweile sehr wohl bei uns. Ich bin für ihn inzwischen die Oma!
Ich bin sehr dankbar, dass wir, wenn auch bei sehr sparsamer Haushaltsführung, bisher alle finanziellen Verpflichtungen erfüllen konnten. Aber es wird ständig schwieriger. Vor allen Dingen tut uns der „schwache Euro“ nicht gut. Ich habe mich daher entschlossen, unseren Fahrer in der allernächsten Zeit zum Großeinkauf von Lebensmitteln und sonst im Haushalt benötigten Dingen nach Russland zu schicken. Dort sind die Preise bis zu 50 % günstiger als hier in Ulaan Baator. Leider ist der Weg dorthin weit, immerhin etwa 350 km. Sollte das klappen, werden wir notgedrungen diese Aktion wiederholen müssen.
Aus der Heimat habe ich eine tolle Nachricht erhalten. Am 28. Juni 2015 findet in der Zeit von 11-18 Uhr in der Freizeitanlage Struthütten im Kunstertal ein Sommerfest zu unseren Gunsten statt. Jenny und Nicola bereiten diesen Tag mit großem Engagement vor. Es wird viel geboten, vom Spendenlauf und Kinder-Fahrradrallye bis zum Mittagessen und Kaffee und Kuchen und vieles mehr! Ihr seid alle sehr herzlich eingeladen!!
Liebe Freunde und Förderer unserer Arbeit, ich schließe diesen Informationsbrief und wünsche Euch ein frohes und gesegnetes Pfingstfest,

Eure dankbare
Ruth und Kinder

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